Materialentfernung

Unter Materialentfernung (ME) versteht man die operative Entfernung von Drähten, Schrauben, Platten oder Nägeln nach der Ausheilung von entsprechend versorgten Knochenbrüchen. Gelegentlich wird auch der Begriff „Metallentfernung“ gebraucht, da es sich meistens um metallische Implantate handelt.

 

Ist eine Materialentfernung notwendig ?

Eine Entfernung von eingebrachten Schrauben oder Plättchen ist nicht immer erforderlich. Die Entscheidung, ob eine ME durchgeführt wird, ist individuell zu treffen.

 

Grundvoraussetzung ist, dass der gebrochene Knochen ( die Fraktur ) stabil ausgeheilt ist, dieses wird mit einer Röntgenaufnahme nachgewiesen.

 

Weitere Kriterien sind die zu erwartende Traumatisierung des OP Gebietes durch die nochmalige Freilegung der ehemalige Fraktur. Ist es zum Beispiel nach einer komplizierten Fraktur mit großem Weichteilschaden nach operativer Stabilisierung mit Schrauben zu einer Ausheilung mit guter Funktion (also gutem Bewegungsaumaß) gekommen, kann die Traumatisierung des Gewebes durch das Aufsuchen der Schrauben zur ME doch noch zu einer Verschlechterung der Funktion führen.

 

Das Alter des Patienten kann eine Rolle spielen: Ein jugendlicher Patient trägt das Material noch viele Jahrzehnte im Körper – wer weiß, ob sich in 30 Jahren herausstellt, dass die heute eingesetzten Materialien auf Dauer doch schädlich sind.

 

Dauerhafte Schmerzen und Mißempfindungen können eine ME begründen, obwohl hier eine Linderung nicht immer garantiert werden kann.

 

Das erneute Erleiden eines Unfalles und einer Fraktur an gleicher Stelle, kann bei einliegendem Nagel ein komplizierteres Verletzungsmuster nach sich ziehen, als ohne Nagel.

 

Je jünger der Patient und je einfacher das Material zu erreichen ist, desto eher stellt sich die Indikation zur Materialentfernung.

 

In einigen Fällen ist eine ME absolut notwendig:

  • Bei Kindern, wenn z.B. ein Draht die Wachstumsfuge des versorgten Knochens kreuzt.
  • Wenn ein Draht eingesetzt wurde, um ein Gelenk zeitweise still zu legen.
  • Bei drohenden Infektionen.
  • Wenn Material „im Weg“ liegt bei notwendigen weiteren Eingriffen.

 

Wann erfolgt die ME ?

Einige typische Beispiele, vorbehaltlich individueller Entscheidungen:

  • Platte und Schrauben am Sprunggelenk: Nach 12 Monaten
  • Platte und Schrauben am Unterarm: Nach 12 Monaten
  • Nagel nach Fraktur Schienbein oder Oberschenkel: Nach 18- 24 Monaten
  • Drähte nach Kniescheibenfraktur: Nach 12 – 18 Monaten
  • Drähte nach Frakturen bei Kindern: Nach 6 Wochen – 6 Monaten
  • Drähte zur vorübergehenden Blockierung von Gelenken: 4 – 8 Wochen.

 

Schrauben und Plättchen, die an der Hand oder am Vorfuß eingesetzt werden, sind sehr fein und sollten in den meisten Fällen belassen werden.

 

Stationär oder ambulant ?

Einzelne Schrauben oder Drähte können in lokaler Betäubung entfernt werden. Platten müssen in ganzer Länge freigelegt werden und erfordern meist eine kurze Vollnarkose, an der oberen Extremität lässt sich dies in einer Armbetäubung (Plexusbetäubung) durchführen.

Diese Eingriffe erfolgen ambulant.


Entfernung von Nägeln aus den großen Röhrenknochen wie Schienbein, Oberschenkel oder Oberarm (selten) sollten stationär und in Vollnarkose durchgeführt werden.

 

Übrigens kann die Suche nach einer einzelnen Schraube oder einem einzelnen, nicht tastbaren Draht zur sprichwörtlichen Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen werden, wenn man keine mobile Röntgeneinheit im OP zur Verfügung hat.

 

Franz Gensigk

© Gensigk - Chirurgie Cloppenburg | 2018
Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite weiterhin besuchen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.